Krankheiten bei Ziegen

Der BGK unterstützt Ziegenhalter

Der Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer, kurz BGK genannt, bietet seinen Mitgliedern im Rahmen des Grundprogramms Unterstützung bei der Abklärung von Betriebsproblemen an, ordnet in Absprache mit dem Bestandestierarzt Untersuchungen an, überweist Tiere in Absprache mit dem Bestandestierarzt ans Tierspital.
Der BGK befasst sich mit wichtigen Krankheiten und Fragen zur Haltung und Fütterung. Im Bereich Gesundheit liegen die Schwerpunkte bei den inneren Parasiten, der Pseudotuberkulose (Abszesskrankheit), dem seuchenhaften Verwerfen, dem Husten als Bestandesproblem sowie bei der Eutergesundheit.

Parasitenüberwachung
Die Parasiten können gerade in der Milchziegenhaltung massive Verluste verursachen. Mit dem Parasiten-Überwachungsprogramm bietet der BGK den Ziegenhaltern eine Möglichkeit, Entwurmungsmittel gezielt einzusetzen.
Während der Vegetationsperiode werden regelmässig Sammelkotproben (Kot von ca. 5 Tieren) untersucht. Damit kann eine aussagekräftige Übersicht über den Verwurmungsgrad der gesamten Herde oder der untersuchten Gruppe gewonnen werden. Die Jung- und Alttiere sollen dabei in Gruppen eingeteilt und getrennt untersucht werden. So können Entwurmungen je nach Altersklasse und Tierart gezielt vorgenommen werden. Es existieren mehrere Angebote des Parasiten-Überwachungsprogramms.

Pseudotuberkulose-Überwachungsprogramm
Pseudotuberkulose ist eine unheilbare Krankheit. Sie wird durch den Kontakt mit Eiter übertragen und ist eine zehrende Infektionskrankheit der Ziegen. In diesem Programm werden jährliche alle über 6 Monate alten Ziegen durch speziell ausgebildete Kontrolleure auf klinische Anzeichen (Abszesse der Hautlympfknoten) unersucht. Danach stellt der BGK ein Betriebsblatt über die bisherigen Kontrollen und den erreichten Status aus.
Dank diesem Programm hat der Züchter leistungsfähige Tiere in einer gesunden Herde und kann dem Konsumenten sichere Ziegenprodukte und im Tierverkehr im In- und Ausland Ziegen mit einem hohen Gesundheitsstatus anbieten.

CAE-Überwachung
Die CAE ist eine weltweit vorkommende, durch ein Virus ausgelöste Infektionskrankheit der Ziegen. Wichtigste Krankheitserscheinung ist eine Verdickung der vorderen Kniegelenke (Carpalgelenke). Daneben kann das Virus auch durch Befall des Gehirns, des Euters und der Lunge Verluste verursachen. Keine dieser verschiedenen Krankheitsformen kann geheilt werden.
Die Viruskrankheit CAE (Caprine Arthritis und Encephalitis) verursachte den Schweizer Ziegenbesitzern bedeutende Verluste von bis zu 40%. Nach der erfolgreichen CAE-Sanierung der Schweizer Ziegenbestände liegt der Schwerpunkt heute bei der regelmässigen CAE-Überwachung der Ziegen. CAE ist eine auszurottende Seuche. Bund und Kantone bestimmen die Sanierungsmassnahmen.
Weitere Informationen zu Krankheiten und zum BGK sind zu finden unter http://bgk.caprovis.ch/cms02/showlinx.asp?id=1&...

Dauerthema Impfungen

Impfungen können ein wirksames Mittel sein, um Tiere vor Krankheiten zu schützen. Doch für Ziegen sind nur wenige Impfstoffe zugelassen.
Da sich einige Infektionskrankheiten rasch zu Bestandesproblemen entwickeln, ist die Bekämpfung von Infektionskrankheiten wichtig. Die vorbeugende Impfung regt das Immunsystem der Tiere an. Durch die Bildung von Antikörpern bauen die geimpften Tiere einen spezifischen Schutz gegen die Erkrankung auf. Bei Kontakt mit dem Erreger bricht die Krankheit nicht mehr oder nur in abgeschwächter Form aus. Die Dauer der Immunität hängt von verschiedenen Faktoren ab wie Art des Impfstoffes, Krankheitserreger, Tierart und Gesundheitszustand des Einzeltieres ab. So gibt es Impfungen, die bei Ziegen alle 6 Monate wiederholt werden müssen.

Vorteile von Impfungen
Schutz des Einzeltieres und des gesamten Bestandes vor Erkrankungen. Geringer technischer Aufwand, meiste keine Milch- und Fleischabsetzfristen. Durch Muttertierimpfungen können auch neugeborene Tiere geschützt werden. Kein unnötiges Leiden der Tiere: Einhaltung der Tierschutzvorschriften. Keine Tierverluste. Keine oder nur geringe Therapiekosten.

Nachteile von Impfungen
Kosten für Impfstoff und Tierarzt. Arbeitsaufwand (Grundimmunisierung und Wiederholungsimpfung. Zukäufe nicht vergessen. Risiko von Nebenwirkungen. Risiko von Impfdurchbrüchen: mangelnde Wirksamkeit des Impfstoffes kann zu Erkrankungen führen.

Impfstoffe für Ziegen
Der Impfstoff gegen Lippengrind ist auch für Ziegen registriert. Bei den Ziegen besteht jedoch die Einschränkung, dass nur ausserhalb der Trächtigkeit geimpft werden soll. Im Weiteren ist für die Ziegen ein Kombinationsimpfstoff gegen die Breinierenkrankheit (Clostridien-Enterotoxämie) und gegen Pasteurellen-Infektionen registriert. Wenn dieser Impfstoff ausreichen gegen die Breinierenkrankheit schützen soll, muss auf eine korrekte Grundimmunisierung und regelmässige Wiederholungsimpfungen geachtet werden. Im Gegensatz zu den Schafen müssen Wiederholungsimpfungen gegen die Breinierenkrankheit mindestens alle 6 Monate durchgeführt werden. Der Tollwut-Impfstoff ist auch für Ziegen registriert. Da die Tollwut in der Schweiz nur noch selten bei Fledermäusen und bei illegal importierten Tieren (vor allem Hunde) auftritt, wird der Impfstoff bei Ziegen kaum angewendet.
Impfstoffe, die für Schafe registriert sind, können vom Tierarzt auch für Ziegen umgewidmet werden. So wurde beispielsweise bei seuchenhaftem Verwerfen der Chlamydien-Impfstoffe auch bei Ziegen bereits erfolgreich eingesetzt.

Mehr dazu unter BGK-Mitteilungen im Forum für Kleinwiederkäuer, Heft Nr. 3 2010 http://forum.caprovis.ch/cms02/showlinx.asp?id=1&a...

Überblick über die wichtigsten Ziegenkrankheiten

Krankheit

Symptome / Auftreten

Diagnose

Therapie

Vorbeugung

Innere Parasiten

Leistungsrückgang, Abmagerung, struppiges Haarkleid, Durchfall, Blutarmut, Ödeme

Kotuntersuchung

Gezielte Entwurmung

Gutes Weidemanagement, regelmässige Behandlung

Enterotoxämie

Massive Magen-Darm-Entzündung, starker, blutiger Durchfall, plötzlicher Tod bei gut genährten Tieren

häufig nur Verdacht möglich

Meist zu spät

Risikofaktoren ausschliessen. Bei Problembetrieben kann eine Impfung in Betracht gezogen werden.

Paratuberkulose

Chronische Abmagerung

Schleimhautprobe von Darm beim toten Tier

Keine

Eine Blutuntersuchung auf Antikörper ist möglich, aber nicht immer sicher

Pseudotuberkulose

Abszessbildung im Bereich der Lympfknoten (Kopf, Hals, Schulterblatt, Knie, Euter, Körperinnere)

Bakteriennachweis im Eiter

Keine Medikamente, evtl. chirurgische Entfernung des Abszesses

Abtrennung und evtl. Ausmerzung der betroffenen Tiere, Einschränkung des Tierverkehrs

Lippengrind

Rötungen, Bläschen, Pusteln und Krusten an den haarlosen oder wenig behaarten Körperstellen (Lippen, Maulschleimhaut, Ohren, Euter, Zwischenklauenbereich, Beine, Geschlechtsbereich

Virusnachweis aus Krustenmaterial

Tägliches Auftragen einer desinfizierenden Salbe oder eines Sprays, Antibiotika bei zusätzlicher bakterieller Infektion

Quarantäne für neu zugekaufte Tiere, Beschränkung des Kontakts zu anderen. In Problembetrieben mit starkem Befall kann eine Impfung sinnvoll sein.

Aborte (Verwerfen, Totgeburt) durch Viren, Bakterien, Parasiten, Fütterungs- und Haltungsfehler

Unfruchtbarkeit, tote, häufig nicht vollständig entwickelte Föten

Erregernachweis im toten Fötus oder in der Nachgeburt, zum Teil Antikörpernachweis im Blut

Keine

Abtrennung von betroffenen Tieren, jeder Abort muss dem Tierarzt gemeldet werden

Weissmuskelkrankheit (Vitamin E-, Selenmangel

Muskuläre Form: Steifheit der Hintergliedmassen, Schwanken oder Zittern, Festliegen,
Herzform: Festliegen, plötzlicher Tod

Häufig durch Benahndlungserfolg mit zusätzlicher Vitamin E- und Selenversorgung, evtl. Blutuntersuchung, weisse Linien in der Muskulatur

Versorgung mit Vitamin E und Selen durch Injektion und über Futterzusätze

Optimale Versorgung mit Vitamin E und Selen der Muttertiere

Gitzi-Durchfall durch Bakterien, Viren, Parasiten, Stress, Haltung, Fütterung, Schlechte Kolostrumversorgung

Schlecht geformter bis flüssiger Kot, verschmierter Anus und Hinterbeine, Schwäche

Kotuntersuchung, Überprüfung anderer Faktoren.

Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes, Erregerspezifische Behandlungen, zum Beispiel mit Antibiotika oder Entwurmungsmittel

Sehr gute Kolostrumversorgung, Hygiene im Abgitzelbereich und im Gitzi-Schlupf, Verminderung von Stress, Optimierung der Umweltbedingungen

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